Geschichte 1982 - 2012

30 Jahre Tanz- und Theaterwerkstatt Ludwigsburg

1982, im Jahr in dem die sozialliberale Koalition platzte und eine Ära des Aufbruchs und der Reformen zu Ende ging, platzte auch bei vielen jungen Leuten der Traum von einer Veränderung der Gesellschaft mit politischen Mitteln. Verändern stand bei vielen noch immer auf der Agenda, aber nun nicht mehr die Veränderung der Massen, sondern die Veränderung von sich selbst. Diese Haltung drückt sich in den ersten Programmen der Tanz- und Theaterwerkstatt (TTW) aus, die eben in diesem Jahr 1982 von Theaterpädagoginnen, Künstlern, Lehrerinnen, Tänzern, Bewegungs- und Atemtherapeuten gegründet worden war. Die GründerInnen wollten mit der Werkstatt Raum und Möglichkeiten schaffen, die eigenen schöpferischen Möglichkeiten zu entdecken und zu entfalten. Dazu boten sie vielfältige Kurse an, öffneten einmal wöchentlich die Pforten des Theatercafés als Treffpunkt und Forum für bekannte und unbekannte KünstlerInnen. Selbsterfahrung, Austausch und Zielgruppen-theater stand in den Gründerjahren im Vordergrund. Die TTW wanderte vom Wohnzimmer in Marbach, nach Ludwigsburg in eine Fabriketage, in diverse Bürogemeinschaften mit Scala, DemoZ und Kunstschule Labyrinth, bis sie 1995 endlich im Kunstzentrum Karlskaserne ihre Heimat fand. Die TTW wuchs und gedieh.

Heute ist die TTW als Bildungs- und Produktionsstätte bekannt. Kultur für alle, Partizipation, Förderung von Eigentätigkeit und Kreativität sind Ziele des Vereins. Wichtig sind dabei die Förderung von Dialog und Kommunikation zwischen Menschen unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft, die Entfaltung kultureller Vielfalt, die Unterstützung von individueller und gesellschaftlicher Integration und Teilhabe. Neben Kursen, Workshops und Fortbildungen liegt der Schwerpunkt auf Projekten mit Profis und Laien jeder Generation und Herkunft. Es gibt ein AltentanztheaterEnsemble, eine Meet HipHop Community, Open Air Projekte, Schulkooperationen und das BürgerTheater. Eigenproduktionen mit KünstlerInnen von internationalem Ruf und freien Gruppen initiiert und unterstützt die TTW wie bspw. das preisgekrönte »Re-Inventing Nijinsky« oder die Literatursommer-Produktionen über Mörike, Eichendorff und zeitgenössische AutorInnen.
1989 bekommt die TTW erstmals städtischen Zuschuss bei einem Umsatz von 80.000 DM, heute beläuft sich der Etat auf etwa eine ½ Million Euro mit städtischen und Landeszuschüssen. Mindestens 60% werden selbst erwirtschaftet.

Dies kann ein rein ehrenamtliches Team nicht mehr stemmen. Inzwischen gibt es 2,6 hauptamtliche Stellen, d.h. 4 engagierte Frauen und weiterhin unglaublich viele unermüdlich aktive Ehrenamtliche, unzählige regionale und internationale KünstlerInnen und KooperationspartnerInnen.

2012 - wieder eine Zeit des Umbruchs in Politik, Wirtschaft und Klima. Gerade in einer Zeit, die Ängste und Desorientierung auslöst, ist Kultur lebensnotwendig - zur Stärkung des Einzelnen und der Gesellschaft.
»Je tiefer Du in ein Dickicht gerätst, umso mehr musst Du tanzen, damit Du wieder herauskommst.« (Peter Handke)