Kunstpräsentation - Work in Progress

Vom 10.-26. Oktober 2014 sind die ARTISTS IN RESIDENCE zu Gast in der Tanz- und Theaterwerkstatt und den Einrichtungen der Kooperationspartner und arbeiten für die Zukunftswerkstatt ihre besondere Sichtweise auf das Thema Demenz heraus.

SABINA HOLZER
Ausgehend von dem identitätsauflösenden Konzept des »Organlosen Körper«, gesetzt von dem Theatermacher und Theoretiker A.Artaud und weiterentwickelt durch G.Deleuze und F.Guattari, richtet sich das Interesse von Sabina Holzer auf den Moment der Erinnerung. Demenz kann als eigene Ordnung verstanden werden, die den gesellschaftlichen Konventionen nicht mehr entspricht. Der identitätsstiftenden Form des kollektiven Gedächtnis, steht eine identitätsauflösende Kraft entgegen. Menschen tragen eine eigene geformte Ordnung in sich, die es anzuerkennen gilt und zu erforschen. Während ihrer Recherchezeit möchte sie diesen Unterschiedlichkeiten in der Wahrnehmung von Realität und Erinnerung Raum geben: durch Spaziergänge den Raum erkunden, mit Bastel- und Schreibstationen mit den Menschen in Kontakt kommen und letztendlich die gesammelten Gesten und Geschichten in eine Choreografie übersetzen.
Sabina Holzer ist Performerin, Choreografin und Autorin und lebt in Wien. Studierte Tanz an der Hogeschool voor de Kunsten Amsterdam, School for new dance development, und entwickelt seitdem Performanceprojekte im In- und Ausland. Als Performerin hat sie mit internationalen Choreografen gearbeitet. Seit 2005 Projekte mit Jack hauser: performative Interventionen und Performances in Theater, Galerien und Museen, wie Tanzquartier Wien, Lentos Kunstmuseum Linz; hidden museum und documenta13. Sie beschäftigt sich mit transdisziplinären Formaten an der Schnittstelle von Theorie und Praxis und publiziert seit 2007 texte zu tanz und Performance.
www.cattravelsnotalone.at

MARKUS&MARKUS
Das Theaterkollektiv Markus&Markus aus Hildesheim arbeitet derzeit an IBSEN: Eine Trilogie. Die Arbeit zu IBSEN: Peer Gynt beginnt in Ludwigsburg. In der Recherchephase möchten sie die Welt der Menschen mit Demenz erkunden und - im besten Fall - eine_n Protagonist_in finden. Denn die Rolle des Peer Gynt soll mit einem Menschen mit Demenz besetzt werden. In der Auseinandersetzung mit der Geschichte des jungen Bauernsohn Peer Gynt untersuchen sie die Schnittmengen von Realität und Fiktion, begreifen die Phantasiewelt als Qualität: Peer Gynt entflieht der Realität, lebt in seiner eigenen Phantasie und Vorstellung. Am Ende wird er mit der Aufgabe konfrontiert: Beweise, dass du in deinem Leben du selbst gewesen bist. Doch was ist es, das Selbst?? Verwoben werden die Geschichten von Peer Gynt mit denen ihre_r Protagonist_in und mit ihrem eigens konstruierten Peer Gynt. Markus&Markus nehmen sie und die Zuschauer_innen mit auf eine Reise, auf der die üblichen Kategorien von Wirklichkeit und Phantasie verschwimmen und vielleicht etwas ganz Neues entsteht.
Markus&Markus ist ein Theaterkollektiv aus Hildesheim. Seit 2011 hat sich Markus&Markus einen Namen gemacht für eine ureigene radikale Form politischen Theaters. Ihre Aufführungen lösten öffentliche Debatten aus, in denen die Grenze zwischen Inszenierung und Realität völlig aufgelöst wurde. Dabei ist der Theaterkontext für ihren Zugriff auf die realität entscheidend - die Brisanz entwickelt ihre künstlerische Praxis in der Konfrontation von Dokumentationen der Wirklichkeit mit der Bühne als Illusionsmaschine. Im Mai 2012 wurde Markus&Markus mit der Produktion Polis3000: respondemus zum Stückemarkt des Berliner Theatertreffens eingeladen. Ihre dritte Produktion, Polis3000: Oratorio, entstand für den Freischwimmer 2012/13 auf Kampnagel Hamburg. 
www.markusundmarkus.at

ROBERTO SANTAGUIDA
Mit dem Projekt »Diaries« begibt sich der kanadische Dokumentarfilmer Roberto Santaguida gemeinsam mit sechs Menschen mit Demenz auf die Suche nach Bildern, die ihre ganz eigene Sicht und Erlebenswelt widerspiegeln. Die Person steht im Vordergrund, doch ist sie nicht losgelöst von ihrem sozialen Kontext, der in dem Projekt eine ebenso bedeutende Rolle spielt. Menschen mit Demenz haben oft selbst keine Stimme, weil sie ihnen, zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt, selbst abgesprochen wird. Unsere Gesellschaft wird täglich konfrontiert mit Bildern und Stereotypen, die jedoch von außen angetragen und nicht selbst konstruiert werden. »Diaries« versucht dies umzukehren, ihre Sicht, ihre Themen ins Zentrum zu stellen und sie damit - zumindest vielleicht ein Stück weit - zurück auf die Agora, auf der unsere Gesellschaft verhandelt wird, zu bringen. 
Roberto Santaguida Seit seinem Abschluss in Filmproduktion (B.a.) an der Montreal Concordia Universität arbeitet Roberto Santaguida an experimentellen und dokumentarischen Filmprojekten. Sein erster Kurzfilm »Miraslava« wurde auf über 120 internationalen Film-Festivals gezeigt und gewann fünf Preise. Seit 2005 war er »artist in residence« an kulturellen Einrichtungen in den U.S.A., Rumänien, Norwegen, Kroatien, Serbien und Australien. 2010 erhielt er den K.M. Hunter Artist Award und ein Stipendium an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart. Derzeit arbeitet er an einem Roberto SantaguidaKurzdokumentarfilm über die berühmte Sonnenfinsternis 1913 da an experimentellen und dokumentarischen Filmprojekten.