2011 Liebe, Ehre, Drachenblut - Nibelungen 20.11

Eine Produktion des BürgerTheaters Ludwigsburg

Eine Heldensaga um Liebe und Hass, Treue und Verrat, Ehre und Kränkung, Vergebung und Rache. Ist das noch zeitgemäß?

Das Bürgertheater Ludwigsburg zeigte den europäischen Nibelungen-Mythos in modernem Gewand. Friedrich Hebbels Stück »Die Nibelungen« und die Edda-Sage lieferten die Grundlage. »Übrig blieben am Ende noch etwa 37 Seiten«, so Regisseur Rainer Kittel. Vieles wird in dieser Inszenierung nicht durch die Sprache dargestellt, sondern mit Musik, Tanz, Film und Bildern verdichtet. Das Ensemble vor und hinter Bühne bestand aus fast 100 Amateuren und Profis im Alter von 9 bis über 70 Jahren. Sie brachten die »NIBELUNGEN 20.11« auf die Bühne. Genauer gesagt waren es 3 Bühnen, da für die 3 Akte auch 3 unterschiedliche Schauplätze im Kasernengelände gestaltet wurden, zu denen man jeweils »hinreiste«.
Der Weltenbaum Yggdrasill, die mächtige Platane im Hof diente dem 1. Akt als passende Kulisse. Hier spielten Kinder die Überlebenden einer Weltkatastrophe, sie erzählten die Geschichten der Heldentaten des jungen Siegfrieds. 34 Meter lang, 12 Meter breit und 4 Meter hoch - ein Monumentalgemälde der Sieben Todsünden, gestaltet von Graffitikünstler Dingo, bildete für den 2. Akt das Ambiente des Wormser Rittersaals mit einer langen Tafel, auf der Breakdancer Siegfried mit seinen Recken tanzte. Schließlich wurde im 3. Akt die Reithalle zum Schauplatz von Hochzeit und Untergang. Beeindruckend war hier die Choreographie mit einem wandlungsfähigen Hochzeitskleid von 200 m handgecrashter Seide, das Projektionsfläche mal für Eisberge, mal für einen undurchdringlichen Feuerwall war. Die Musik, ein spezieller Soundmix aus mittelalterlichen Tönen und Neuer Musik, der eigens von Sergej Newski komponiert wurde, bildete eine ergreifende Atmosphäre. »Sergej ging mit einem Berg von Wünschen nach der ersten Probe und dann kam eine Sendung neuer Noten, die wiederum überraschende Klänge lieferte,« erzählte die musikalische Leiterin Ute Kabisch. Eine Neukomposition erforderte ständiges Umdenken und Neueinlassen von allen Mitwirkenden.

Im Zentrum des Stückes stand für das professionelle Leitungsteam (Regie, Dramaturgie, Ausstattung, Musik, Produktion, Video) »der mörderische Dreiklang aus Ehre, Kränkung und Rache, der ihrer Ansicht nach trotz des mittelalterlichen Gewandes hochaktuell ist: Die Vergeltung ist in der heutigen Politik angekommen«. Die ZuschauerInnen wurden von dem Stoff, den Bildern und der Dramatik der Inszenierung sehr berührt. In Gesprächen wurde deutlich, wie klar viele Menschen die Bezüge zu heutigen Kriegen, Familiendramen und Jugendgewalt erkennen konnten. Mit allen Beteiligten gab es zum Projekteinstieg ausführliche Gespräche und Diskussionen zu allen Themen des Nibelungenstoffs. Es entstanden unterschiedliche Deutungen und Kontroversen. Schon die Kinder begannen die Edda und das Nibelungenlied zu lesen, Interesse fürs Mittelalter und Rittertum wurde geweckt und die Vereinnahmung des Stoffs durch die Nazis diskutiert. Für viele der Streetdancer war es die erste Begegnung mit einem klassischen Theatertext, seiner besonderen Sprache, darüber hinaus ließen sie sich nach anfänglicher Skepsis auf historische und Neue Musik ein, die live interpretiert wurde und sie entdeckten neue Tanzformen wie Capoeira und Stockkampfkunst. Die Leidenschaft und das Engagement aller, sich auf Neues, Unbekanntes einzulassen, die gleichberechtigte Zusammenarbeit von Jung und Alt, Laie und Profi prägte die Arbeit entscheidend und führte zu großem Publikumsinteresse.

Die 39 Aventurien des Nibelungenliedes im Netz
http://nibelungen-aventiure.blogspot.com
Das Graffiti-Gemälde und seine Entstehung von Dingo Babusch
http://liebe-ehre-drachenblut.blogspot.de/2011/10/das-gemalde.html

Premiere // 15.09.2011, weitere 7 Aufführungen

KÜNSTLERISCHE LEITUNG, GESAMTREGIE // Rainer Kittel
AUSSTATTUNG // Heike Huber
MUSIKALISCHE LEITUNG // Ute Kabisch
DRAMATURGIE // Christine Macco
PROJEKTIONEN, LICHT, TONTECHNIK // Fabian Piwonka von Kulturwelt e.V. VERANSTALTER, PRODUKTIONSLEITUNG // Bettina Gonsiorek, Tanz- und Theaterwerkstatt e.V.
MITWIRKENDE // Streetdancer der TTW und der Kunstschule Labyrinth als Siegfrieds Recken (Leitung // Carina Clay)
Tanztheaterensemble der Kunstschule Labyrinth Chorioso-Chor der Jugendmusikschule Ensemble X der Jugendmusikschule Schauspielkids der Kunstschule Labyrinth (Leitung // Gabriele Sponner)
TANZ, PERFORMANCE // Christine Chu
BREAKDANCE // Sebastian Petrascu
SCHAUSPIEL // Daniela Pöllmann, Thomas Weber, Alexej Boris,
KOMPOSITION MUSIK // Sergej Newski
GRAFITTIKUNST // Dingo Babusch

Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Ludwigsburg, des Landes Baden-Württemberg, des Fonds Soziokultur und der Stiftung Kunst und Kultur der Kreissparkasse Ludwigsburg. In Kooperation mit dem Netzwerk Süd, das durch das Netzwerk Neue Musik, ein Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird.