2008 Marat! Bürgertheater Ludwigsburg

Die Verfolgung und Ermordung des Jean Paul Marat von Peter Weiss dargestellt durch die Insassen des Education Camps Karlskaserne in Szene gesetzt vom BürgerTheater Ludwigsburg

Mit »MARAT!«, einer außergewöhnlichen Bearbeitung des legendären Dramas von Peter Weiss aus den 60er Jahren, das den Schrecken und Unsinn von Gewalt und Terror während der Französischen Revolution behandelt, ging das BürgerTheater Ludwigsburg neue Wege. Mit einem international besetzten Schauspieler-Ensemble und mit Kulturgruppen verschiedener Nationalitäten nahmen wir in unserer Interpretation die aktuelle Migrations- und Integrationsdebatte auf. In bewährtem BürgerTheater-Stil brachten Profis und Amateure mit Schauspiel, Tanz, Musik und Gesang eine spannende und packende Inszenierung auf die Bühne des Kunstzentrums Karlskaserne.

In unserer Bearbeitung des Stückes wurde aus der Irrenanstalt von Charenton bei Paris ein fiktives Education Camp in Ludwigsburg. Ein Lager, in dem neben Asylbewerbern und Arbeitsmigranten aus der ganzen Welt auch Deutsche untergebracht waren, die aus den verschiedensten Gründen aus der Gesellschaft fielen und nun ebenfalls - im Sinne der deutschen Leitkultur - für diese wieder fit gemacht werden sollten.
In einem Vorspiel wurden dem Publikum am »Tag der Offenen Tür des Education Camps« die Integrationserfolge präsentiert: Man sang, musizierte und erzählte auf die unterschiedlichste Art Lebens- und Fluchtgeschichten. Dabei bereitete man sich auf den Höhepunkt vor, die Aufführung des Stückes von Peter Weiss. Die Darsteller nahmen nicht nur ihre Rollen ernst, sondern auch den Inhalt des Stückes, die Erklärung der Menschenrechte und die Utopien der Revolution.....und so war bald klar, dass in Lager und Gesellschaft nicht alles so freiheitlich, gerecht und vorbildlich ist, wie es zuerst schien.
Neben dem bewährten Leitungsteam (Kittel, Huber, Macco, Kabisch, Gonsiorek) waren wieder das Ensemble X und Chorioso der JugendMusikSchule, Tanz- und Jugendtheatergruppen der Kunstschule Labyrinth und viele Einzelkünstler aus Ludwigsburg und Umgebung dabei, zum ersten Mal auch die Eritreische Elterninitiative Ludwigsburg, der russisch-deutsche Chor Meteliza und der türkische Kulturverein LKM.
Insgesamt stand eine große, dieses Mal internationale Truppe mit über 120 Mitwirkenden im Alter von 13 bis 65 Jahren auf der Bühne. Diese Inszenierung sollte auch ein theatrales Pamphlet für Menschenrechte, Respekt gegenüber Andersdenkenden, für Gerechtigkeit und Frieden sein. Neben der künstlerischen Arbeit war es uns ein großes Anliegen, auch den freundschaftlichen und kreativen Dialog zwischen den Kulturen in Ludwigsburg zu stärken - eine neue Dimension in der Arbeit des BürgerTheaters.

KÜNSTLERISCHE LEITUNG, GESAMTREGIE // Rainer Kittel
BÜHNENBILD // AUSSTATTUNG // Heike Huber
MUSIKALISCHE LEITUNG // Ute Kabisch
DRAMATURGIE // Christine Macco Texte: Christian Rehmenklau Veranstalter, ORGANISATION, KÜNSTLERISCHES BETRIEBSBÜRO // Tanz- und Theaterwerkstatt e.V.

Premiere // 13.09.2007 und weitere 8 Vorstellungen

Mit freundlicher Unterstützung durch die Stiftung Kunst, Kultur und Bildung der Kreissparkasse Ludwigsburg, die Bürgerstiftung Ludwigsburg, die Stadt Ludwigsburg, Fachbereich Kunst und Kultur, das Regierungspräsidium Stuttgart und die Wüstenrotstiftung, Deutsche Eigenheim e.V..