Zuckershock Fairy HipHop. Und Klassik?

Ein Tanz- und Musikprojekt mit SchülerInnen verschiedener Schulen und dem Jugendsinfonieorchester Ludwigsburg

Die Choreographin und künstlerische Leitung Daniecell aus Wien begeistert schon seit 2003 mit ihren außergewöhnlichen Stücken bei MEET HIPHOP und kreierte im Jubiläumsjahr 2009 das Schülerprojekt »Das Wagnis«, das die Stadtgeschichte im HipHopStil mit 40 SchülerInnen auf der Bühne darstellte. Daraufhin folgte dieses abendfüllende Stück, das sie selbst schrieb, in Kooperation mit dem Jugendsinfonieorchester unter der Leitung von Ute Kabisch. Neben der Choreographin sind Carina Clay als Co-Choreographin und Assistentin, sowie Katharina Erlenmaier als Ballettcoach beteiligt gewesen. 15 Jugendlichen des 1. Tanzensembles probten intensiv in allen Schulferien ab Ostern 2010. Wie bei einem zeitgenössischen Profistück konnten die Jugendlichen auch selbst kreativ zu den Choreographien beitragen. Vor Weihnachten wurde dann ein 2. Tanzensemble gecastet. Die Tanz- und Theaterwerkstatt (TTW) wurde dabei von InteressentInnen geradezu »überrannt« und musste auswählen, da nur weitere 15 TänzerInnen teilnehmen konnten. Insgesamt waren 30 Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren tanzend auf der Bühne, teilweise ohne Tanzerfahrung, teilweise mit Ballett-, Modern- oder Kenntnissen in einem der HipHopStile.
Die TänzerInnen sowie die 40 Mitglieder des Jugendsinfonieorchesters waren bei diesem Projekt offen für Neues. Die MusikerInnen auch im Alter zwischen 12 und 20 bewegten sich aus dem Orchestergraben heraus, tanzend, sitzend und im liegen spielend mit ihren Instrumenten, sie agierten szenisch und waren wichtiger Teil der Inszenierung. Für die HipHopperInnen war es dagegen eine große Herausforderung das Training an der Ballettstange durchzuhalten und auf live gespielter Orchestermusik zu tanzen. In diesem Stück entstand eine neue Tanzsprache, die verschiedene Stile vereint, Ballett, Modern Dance und die unterschiedlichen HipHopstile wie Ragga, Popping, Locking, House, B-boying und New Style. Ebenso bei der Musik, die Auswahl umfasste Werke von Tschaikowsky, Bizet, Strawinsky, Schulhoff und Remixe derselben.
In ZUCKERSHOCK FAIRY ist ein großes Ensemble zusammengewachsen, das die Aufs und Abs einer Produktion meisterte. Es entstand ein einstündiges Stück, das auch inhaltlich Grenzen überschritt. ZUCKERSHOCK FAIRY wurde zu einem Musik- und Tanzstück, in dem zwei Welten aufeinanderprallten, die völlig unvereinbar erschienen. Eine HipHop-Tänzerin und ein Musiker, der ganz klassisch im Orchester spielt - beide mit ihrer ganzen Clique: das passt doch nicht zusammen! Ein Märchen vom Kulturschock und von der Liebe und von Erlebnissen aus der Traumwelt, die in den realen Alltag hinein wirkten. Ein Stück, das den Formen und der Tradition eines Handlungsballettes folgte und Duette, Soli und Corps de Ballett-Szenen und eine Romanze enthielt. Zuckerschock Fairy ist eine Geschichte für HipHopperInnen wie KlassikliebhaberInnen und für Jung und Alt. Die Frage, ob Klassik oder HipHop cooler ist, stellte sich nicht mehr. Durch die Neugier auf Anderes, entstand etwas Neues, etwas Gemeinsames. Die Probenzeit über ein Jahr eröffnete den Beteiligten eine intensive gemeinsame Schaffensphase und ließ genügend Freiraum für die Annäherung und Entwicklung der Inszenierung in deren Mittelpunkt zwei Jugendliche, eine HipHopTänzerin und ein junger Fagottist standen.
Die Idee und das Konzept für dieses außergewöhnliche Stück entwickelten Daniecell, Ute Kabisch und Bettina Gonsiorek gemeinsam. Es steht für eine sehr gelungene Kooperation von Jugendmusikschule und Tanz- und Theaterwerkstatt, die beide im Kunstzentrum Karlskaserne angesiedelt sind.

Zuckerschock Fairy ist preisgekrönt, 2. Förderpreis der Region Stuttgart in Kunst und Kultur
Mit diesem Preis werden besonders innovative, ambitionierte und nachhaltige Projekte in der Region geehrt. ZUCKERSHOCK FAIRY erhielt hier den 2. Preis im Bereich Kunst und Kultur. In der Laudatio wurde besonders hervorgehoben, dass es diesem Projekt gelungen ist, in vielerlei Hinsicht Grenzen zu sprengen.

2. Preis des Deutschen Jugendorchesters im Wettbewerb von Jeunesses Musicales
Der von der Jeunesses Musicales Deutschland ausgeschriebene Wettbewerb unter der Schirmherrschaft von Bundesjugendministerin Dr. Kristina Schröder sucht nach den innovativsten Konzertprojekten von und mit jungen Musikern. Das Jugendsinfonieorchester Ludwigsburg unter der Leitung von Ute Kabisch hat mit ZUCKERSHOCK FAIRY den mit 1.000 € dotierten zweiten Preis gewonnen!
»Musik vernetzt« war das Thema der diesjährigen Ausschreibung von Jeunesses Musicales. ZUCKERSHOCK FAIRY. KLASSIK. UND HIPHOP? ist Vernetzung in mehrfacher Hinsicht. Hier wurden verschiedene Musik- und Tanzstile ebenso vernetzt wie MusikerInnen und TänzerInnen. Wie diese Produktion gezeigt hat, gehen Klassik und HipHop sehr wohl zusammen und so begeisterten die Ausführenden neben der Jury auch das Publikum in den ausverkauften Vorstellungen mit ihrem Enthusiasmus und Professionalität.

CHOREOGRAPHIE­­­­­, ­­KÜNSTLERISCHE LEITUNG // Daniela »Daniecell« Schwarzbach
MUSIKALISCHE LEITUNG // Ute Kabisch
CHOREOGRAPHISCHE ASSISTENZ // Carina Clay und Katharina Erlenmaier
LICHTDESIGN // Ingo Jooß

Zielgruppe // SchülerInnen verschiedener Ludwigsburger Schulen
Projektdauer // 2010-2011
Präsentationen // 11. - 14.02.2011

Ein Projekt der Tanz- und Theaterwerkstatt in Kooperation mit der Jugendmusikschule Ludwigsburg. Gefördert durch den Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg. Mit freundlicher Unterstützung von der Bürgerstiftung Ludwigsburg, der Stiftung Kunst und Kultur der Kreissparkasse Ludwigsburg und der Hypo Real Estate Stiftung.